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Auswahl eines Whistleblowing-Systems

Was müssen Sie bei der Auswahl eines Whistleblowing-Systems beachten?

Es gibt eine Vielzahl an Whistleblowing-Systemen, doch zunächst einmal ist es eine gute Entscheidung, dass Sie sich entschlossen haben, die EU-Hinweisgeber-Richtlinie umzusetzen! Auf diese Weise reduzieren Sie Ihr Risiko von Skandalen, Rufschädigung und Strafen signifikant. Sie erfahren, wenn in Ihrem Unternehmen etwas schiefläuft und können frühzeitig und proaktiv gegensteuern. Die EU gibt keine konkreten Anweisungen zur Umsetzung der Richtlinie. Auf dem Markt werden eine Vielzahl an Lösungen angeboten. Natürlich, stellt sich Ihnen nun die Frage: Welches Whistleblowing-System passt am besten zu mir, meinem Unternehmen und der bestehenden Infrastruktur?

Die Einführung eines Whistleblowing-Systems kann der reinen Pflichterfüllung dienen, lässt sich aber auch gezielt als Instrument der Personalführung nutzen. Mit der entsprechenden Kommunikation geben Sie Ihren Mitarbeitern das Signal, dass auch sie unternehmerische Verantwortung tragen. Auch ihr Verhalten für den langfristigen Erfolg ihres Arbeitgebers ausschlaggebend ist.

Die Wahl des richtigen Whistleblowing-Systems für Ihr Unternehmen ist eine strategische Entscheidung. Sie soll für viele Jahre passen und muss sich auf Dauer bewähren. Dieser Beitrag soll Ihnen als Entscheidungshilfe dienen, die richtige Lösung für Ihr Unternehmen zu finden.

Vorab der Check, ob Ihr Unternehmen überhaupt unter die EU-Hinweisgeberrichtlinie fällt!

Icon Menschen

1.      Weniger als 50 Mitarbeiter

Nur wenn Ihr Unternehmen unter das Geldwäsche-Gesetz fällt, sind Sie selbst mit weniger als 50 Mitarbeitern dazu verpflichtet, ein Whistleblowing-System einzuführen. Je nach Branche liegen die Vorgaben der relevanten Behörden bei mehr als zehn, bzw. mehr als 20 Mitarbeitern. Beim Whistleblowing-System haben Sie die Wahl zwischen einem eigenen System, bei dem Sie den Empfänger vorgeben oder einem externen System, das von der Kammer angeboten wird. Sollte in Ihrem Unternehmen wieder Ihres Erwartens ein Fall gemeldet werden, wäre diese Information dann direkt bei der Kammer.

2.      50 oder mehr Mitarbeiter

Mit dieser Unternehmensgröße sind Sie laut EU-Hinweisgeber-Richtlinie dazu verpflichtet, Ihren Mitarbeitern Whistleblowing-Meldekanäle anzubieten.

Sie haben die Qual der Wahl

Icon Checkbox

Die Richtlinie gibt jedoch nicht vor, wie die konkrete Umsetzung abhängig von der Mitarbeiterzahl ausgestaltet sein muss. Deshalb werden wir im Folgenden verschiedene Aspekte aufgreifen. Aspekte, die Ihnen die Entscheidung über ein digitales oder analoges Whistleblowing-System und die entsprechende Ausgestaltung erleichtern sollen:

Digitale Lösungen: Was erlaubt Ihre IT-Infrastruktur?

Entscheidungskriterien: Unternehmensgröße und Internationalität

Die Unternehmensgröße entscheidet häufig über die Anzahl Ihrer Optionen. Hat Ihr Unternehmen eine eigene IT-Abteilung, die den mehrwöchigen Implementierungsprozess einer konventionellen Online-Lösung unternehmensseitig unterstützen kann? Wenn ja, kommen für Sie alle digitalen und analogen Optionen zur Ausgestaltung eines Whistleblowing-Systems in Frage.

Mit zunehmender Unternehmensgröße steigt rein statistisch die Zahl möglicher Hinweise. Es ist vor allem für international agierende Konzerne mit einer Vielzahl von Hinweisen interessant, ein Whistleblowing-System mit sehr differenzierten Auswertungsmöglichkeiten, z. B. nach Rechtsgebieten, Ländern, Standorten oder Unternehmensbereichen, zu implementieren. Für kleine und mittelständische Unternehmen mit wenigen Fällen pro Jahr sind eine Vielzahl komplexer Auswertungsmöglichkeiten unnötig.

Entscheidungskriterien: Komfort und Verfügbarkeit

Sie sind ein kleines oder mittelständisches Unternehmen und die Erinnerung an die letzte Software-Einführung und Verknüpfung mit ihrem bestehenden IT-System löst bei Ihnen und Ihren Mitarbeitern, wie bei vielen anderen unserer Kunden, heute noch Grauen aus? Oder haben Sie in Ihrem Unternehmen gar keine eigene IT-Abteilung, die die Begleitung eines mehrwöchigen Implementierungsprozesses übernehmen kann?

Dann kommt für Sie eine Plattform-Lösung in Frage, bei der keine Implementierung in Ihrer IT-Landschaft erforderlich ist. Wie das funktioniert? Mit „Software-as-a-Service“-Lösungen, bei denen die Daten in der Cloud liegen. Ein solches Whistleblowing-System wird auch als Plug-and-play-Lösung bezeichnet. Jedoch lohnt es sich, hier genau hinzuschauen. Es handelt sich nur dann tatsächlich um eine Plug-and-play-Lösung, wenn Sie ohne jeglichen Implementierungsaufwand mit der Buchung einen Link erhalten. Mittels dieses Links müssen Sie direkt auf Ihrer Unternehmensseite der Whistleblowing-Plattform landen.

Analoge Lösungen: Stärken und Schwächen der bewährten Klassiker

Die Aufgabe von Meldekanälen ist es, anonyme und vertrauliche Kommunikation zwischen einem Whistleblower und einem Unternehmen zu ermöglichen. Entscheidend ist, dass es nicht nur darum geht, Hinweise auf Fehlverhalten oder Gesetzesverstöße zu erhalten. Möchte ein Unternehmen diese Hinweise nutzen, um intern gegenzusteuern und größeren Schaden zu vermeiden, bedarf es häufig zusätzlicher Informationen. Diese Informationen können nur durch Rückfragen an den Whistleblower erhalten werden.

Briefkasten

Die vermeintlich einfachste Lösung ist schnell aufgestellt – ein Briefkasten zum Empfangen von Hinweisen. Diese Lösung ermöglicht jedoch keine Rückfragen an den Whistleblower. Sie können den Hinweisgeber auch nicht richtlinienkonform über den Stand der Bearbeitung und den Verbleib informieren. Damit scheiden mit in Kraft treten der EU-Hinweisgeber-Richtlinie alle Briefkasten-Lösungen aus. 

Call-Center

Ein Klassiker zur Meldung von Hinweisen war lange das Call-Center. Darüber lässt sich eine Erreichbarkeit rund um die Uhr einfach gewährleisten. Die erhöhte Hemmschwelle bei Meldungen über Telefon führte in den letzten zehn Jahren allerdings dazu, dass immer weniger Hinweise abgegeben wurden. Hinzu kommen Sprachbarrieren und Missverständnisse durch Nicht-Muttersprachler auf einer oder sogar beiden Seiten des Telefons, die eine sinnvolle Aufnahme von Hinweisen als Grundlage für die Weiterbearbeitung beeinträchtigen.  

Compliance-Beauftragte oder Ombudspersonen

Je nach Unternehmensgröße scheint es naheliegend, die EU-Hinweisgeber-Richtlinie zu erfüllen, in dem man im Unternehmen einen Ansprechpartner benennt, an den sich Mitarbeiter wenden können, wenn sie einen Hinweis melden möchten. Dazu bieten sich Compliance-Beauftragte oder Ombudspersonen an. Je kleiner ein Unternehmen, desto mehr Überwindung wird es einen Whistleblower kosten, das direkte Gespräch zu suchen. Fast jeder hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass der Überbringer der schlechten Botschaft für dessen Inhalt bestraft wurde und nicht der Verursacher. Es ist daher zu bedenken, dass die Kommunikation mit diesen Ansprechpartnern für einen Whistleblower zwar vertraulich erfolgen kann, nicht jedoch anonym. Dies könnte Whistleblower davon abhalten, Missstände zu melden.

Sind Sie ein global agierendes Unternehmen oder auf die EU fokussiert?

Bei der Auswahl eines Whistleblowing-Systems sollten Sie berücksichtigen, in wie vielen Ländern der Welt Ihr Unternehmen geschäftlich aktiv ist. Gerade bei international agierenden Unternehmen scheint es naheliegend, einen globalen Anbieter eines Whistleblowing-Systems zu wählen, um die zahlreichen Sprachen der Mitarbeiter zu berücksichtigen. Hierbei ist jedoch unbedingt zu beachten, dass sich die Rechtssysteme und die Anforderungen an den Datenschutz in den einzelnen Staaten sehr unterscheiden. Sie sollten daher unbedingt nachfragen, wo die Server eines Whistleblowing-Anbieters stehen. Ist dies außerhalb der EU, z. B. in den USA, sind sowohl Datenschutz als auch Whistleblower-Schutz für die Standorte Ihres Unternehmens in der EU nicht ohne weiteres sicher gewährleistet.

Datensicherheit ist bei einem Whistleblowing-System nicht verhandelbar!

Zusätzlich zu den Anforderungen der DSGVO sind bei der Auswahl von Meldekanälen weitere Aspekte der Datensicherheit bei der Auswahl eines passenden Systems für Ihr Unternehmen zu berücksichtigen. Bei allen analogen – menschlichen – Lösungen stellt sich die grundsätzliche Frage, wo die Daten aufbewahrt und wie sie durch wen verwaltet werden. Wer hat noch Zugriff auf das Telefon und die Mailbox, wer auf das E-Mail-Postfach und in welchem Land stehen die Server der E-Mail-Provider? Mögliche Schwachstellen sind hier Assistenz oder Urlaubsvertretung. Auch bei Systemadministratoren mit Zugang zu den Inhalten von E-Mail-Accounts ist die Vertraulichkeit nur noch eingeschränkt gewährleistet.

Möchten Sie Hinweise intern bearbeiten oder die Bearbeitung delegieren?

Keine Frage, gravierende Gesetzesverstöße oder Hinweise mit Skandalpotenzial sind Chefsache! Nicht jedoch deren Entgegennahme oder rechtlich korrekte Nachverfolgung und Dokumentation.

Inhouse-Lösung

Zuständig für den Empfang und die Bearbeitung von Hinweisen sollten Personen im Unternehmen sein, die sowohl von der Geschäftsführung/Unternehmensleitung als auch den Mitarbeitern als vertrauenswürdig empfunden werden. In Konzernen und großen mittelständischen Unternehmen sind dies in der Regel spezielle Abteilungen wie die Rechtsabteilung, Compliance-Abteilung oder interne Ombudspersonen an unterschiedlichen Standorten.

Externe Ansprechpartner

In kleineren und mittelständischen Unternehmen sind Compliance-Beauftragte oder Ombudspersonen (sofern vorhanden), oder direkt ein Vertreter der Geschäftsführung interner Ansprechpartner. Je kleiner das Unternehmen, desto schwieriger die Entscheidung, wer das Thema Whistleblowing verantworten soll. Es bedarf nicht nur der Wahrnehmung, dass diese Person vertrauenswürdig ist. Auch die Hemmschwelle, diese Person anzusprechen, sollte bei den Mitarbeitern niedrig sein. Vor diesem Hintergrund kann es sehr hilfreich sein, zusätzlich zu einem internen Empfänger auch eine externe Stelle als Empfänger zu benennen. Hierzu bieten sich Ihr Rechtsanwalt oder Steuerberater des Vertrauens an oder auch eine externe Ombudsperson. Mit diesen Partnern haben Sie zugleich eine gute Vertretungsregel.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich Whistleblower im Laufe der Zeit häufig zu erkennen geben, wenn sie nach der Mitteilung einer Meldung das Gefühl haben, dass Ihr Hinweis professionell aufgegriffen und bearbeitet wird. Es braucht nicht viel Fantasie, sich das Spektrum an Gefühlen auszudenken, die ein Hinweis beim Empfänger auslösen kann. Externe Partner haben hier per se eine professionelle Distanz und wirken dadurch beim Whistleblower vertrauensbildend. Die Erfahrung Ihres externen Partners ermöglicht beim Eingang eines Hinweises die Entscheidung zur Relevanz und zu den Anforderungen an das weitere Vorgehen. Neben der professionellen Bearbeitung ist die Wahrung aller relevanter Fristen abgedeckt.

Schreibtisch oder Werkbank: Ein System für alle Mitarbeiter?

Icon Einfach

Bei der Auswahl eines passenden Whistleblowing-Systems sind zahlreiche spezifische Mitarbeiter-Faktoren relevant. Funktionen, Bildungsniveau, Nationalitäten und Standorte beeinflussen den Zugang zu Meldekanälen und die Hemmschwelle, sie zu nutzen. Eine konkrete Person direkt anzusprechen, kostet in der Regel am meisten Überwindung. Am wenigsten Überwindung bedarf die Nutzung einer digitalen Lösung, die Anonymität garantiert. Selbst bei niedrigem Bildungsniveau und niedrigem Einkommen haben inzwischen alle Mitarbeiter ein Handy und beherrschen dessen Nutzung. Ist das digitale Hinweisgeber-System sehr intuitiv und benutzerfreundlich gestaltet und verwendet sie eine verständliche Sprache, kann sie von jedem Mitarbeiter genutzt werden. Auch auf der entferntesten Baustelle könnte ein Link zu einem Whistleblowing-System oder der Kontakt eines Ansprechpartners für Hinweise an einem schwarzen Brett, im Container, Bauwagen oder in Projektunterlagen frei zugänglich sein.

Vermeidung von Missbrauch für persönliche Kleinkriege: Was müssen Sie berücksichtigen?

Um dieses Risiko zu vermeiden, sollten Sie sich für einen offenen, proaktiven Umgang mit der Einführung Ihrer Meldekanäle entscheiden. Das Spektrum ist groß und reicht von einer einfachen Info-Mail an die Mitarbeiter zum Thema Meldekanäle bis zur bewussten Einbettung in ein umfassendes Compliance-System.

Risiko-Minimallösung

Da wir diese Frage immer wieder gestellt bekommen, so viel vorab: Natürlich können Sie jeden Meldekanal quasi unsichtbar auf einer Unter-Unterseite Ihres Intranets verstecken, ohne seine Existenz gezielt an Ihre Mitarbeiter zu kommunizieren. Damit können Sie zumindest im Fall einer Prüfung nachweisen, dass Sie eine solche Lösung anbieten. Sie gehen damit jedoch das Risiko ein, dass ein potenzieller Whistleblower diesen Meldekanal nicht findet und sich direkt an eine Behörde oder die Presse wendet.

Mit gezielter Kommunikation den Inhalt im Griff

Wie Sie Ihr Whistleblowing-System (oder einen anderen Meldekanal) einführen, entscheidet darüber, welche Fälle bei Ihnen landen und ob Mitarbeiter das System missbrauchen. Für Mitarbeiter ist eine verständliche, kurz gehaltene Information dazu hilfreich, welche Themen über diese Kanäle gemeldet werden sollten und welche nicht.

Sofern Sie in Ihrem Unternehmen noch keinen Verhaltenskodex haben, wäre die Einführung eines solchen eine gute Möglichkeit, grundsätzliche Verhaltensregeln zur Orientierung einzuführen. In der Praxis finden sich sehr häufig ausführliche Varianten, die versuchen, jede Ausnahme zu berücksichtigen. Zu viel Text führt jedoch dazu, dass Verhaltensregeln – einfach nicht gelesen werden – unabhängig vom Bildungsniveau. Am besten ist eine Zusammenfassung auf einer Seite mit großer Schrift und einfach verständlichen Formulierungen. Auf Folgeseiten können dann die Punkte detaillierter ausgeführt sein.

Jegliche Form von Verhaltenskodex oder Werten führt auch dazu, dass vor allem Führungskräfte von den Mitarbeitern genau beobachtet werden. Wird die Einhaltung der Regeln oder Werte im täglichen Handeln nicht vorgelebt, führt das zwar nicht direkt zu Hinweisen, aber auch nicht zu dem notwendigen Vertrauen. Vertrauen darin, dass die Führung die festgeschriebenen Regeln ernst nimmt und wirklich möchte, dass sich alle Mitarbeiter danach richten. Dann wirkt ein Verhaltenskodex wie ein hübsches Deckmäntelchen, unter dem der Freibrief erteilt wird, sich entgegen der Vorgaben zu verhalten.

Um ein Unternehmen tatsächlich compliant auszurichten, empfiehlt es sich, ein zu Unternehmensgröße, Geschäftsmodell und Branche passendes Compliance-System einzuführen. Ihr Compliance-Berater oder Anwalt des Vertrauens kann Ihnen hier zu Ihrem Unternehmen passende, bewährte Empfehlungen geben und Sie bei der Umsetzung begleiten. Die Whistleblowing-Lösung ist dann ein Bestandteil des Systems.

Anforderungen an die psychologische Sicherheit im Unternehmen

Relevant für die Nutzung von Meldekanälen ist die gefühlte psychologische Sicherheit des Whistleblowers. Je geringer sie eingeschätzt wird, desto größer wird das Bedürfnis nach einer anonymen Meldemöglichkeit sein.

Indikator Fehlerkultur

Ein Hinweis auf die wahrscheinlich empfundene psychologische Sicherheit ist der Umgang mit Fehlern in Ihrem Unternehmen. Daraus leiten die Mitarbeiter ab, wie das Unternehmen höchstwahrscheinlich mit Hinweisen über ein Whistleblowing-System umgehen wird. Ist die Kultur davon geprägt, dass bei Fehlern Schuldige gesucht werden, die die Verantwortung übernehmen müssen (obwohl sie vielleicht gar nicht schuld sind)?

Wird Fehlverhalten im übertragenen Sinne an den Pranger gestellt?
Wird jeder, der einen Fehler macht, sofort versuchen sie zu vertuschen?
Wird jeder versuchen von sich selbst abzulenken und jemand anderem die Schuld in die Schuhe zu schieben?

Werden im Unternehmen Fehler eher als Chance für die Suche nach konstruktiven Lösungen gesehen, um daraus zu lernen und gleichartige Fehler zukünftig zu vermeiden, werden Mitarbeiter eher bereit sein, Fehler zuzugeben und um Hilfe zu bitten.

Auf der sicheren Seite: Das Schlechteste erwarten und das Beste hoffen

Entscheidend für die gefühlte psychologische Sicherheit ist nicht nur die Kultur im Gesamtunternehmen sondern vor allem die Subkultur im sozialen Umfeld des Hinweisgebers am Arbeitsplatz. Unterschiedliche Vorgesetzte und Kollegen können zu ganz unterschiedlichen persönlichen Einschätzungen führen. Daher ist es empfehlenswert, bei der Auswahl eines Whistleblowing-Systems vom Schlechtesten auszugehen und das Beste zu hoffen. Das heißt, Sie sollten sich auf jeden Fall für Meldekanäle entscheiden, die das anonyme Mitteilen von Hinweisen ermöglichen. Zusätzlich können Sie die Option des vertraulichen Gesprächs anbieten. 

Whistleblowing-System: teurer Schnickschnack oder auch was für den Mittelstand mit Tradition?

Ein Whistleblowing-System ermöglicht dem Whistleblower, Meldungen anonym und vertraulich von jedem internetfähigen Gerät abzugeben. Zusätzliche, für den Hinweis relevante Informationen – wie Bilder, Dokumente, Zeichnungen etc. – können direkt mit hochgeladen werden. Das System veranlasst mit Eingang der Meldung automatisch das Informieren des Zuständigen, dass ein neuer Hinweis gemeldet worden ist. Dies ist wichtig, da die EU-Whistleblower-Richtlinie Anforderungen zur Bearbeitung stellt, die mit konkreten Fristen versehen sind. Innerhalb einer Woche muss der Hinweisgeber über den Eingang des Hinweises informiert werden. Innerhalb von drei Monaten, in Ausnahmen auch sechs Monaten, über das Ergebnis der Untersuchung zu seinem Hinweis. Das System überwacht die Einhaltung der Fristen und erinnert rechtzeitig daran.

Die Qualität der Hinweise ist ausschlaggebend

Die Erfahrung zeigt, dass digitale Whistleblowing-Systeme Meldungen in einer signifikant besseren Qualität liefern. Sie lassen sich sowohl für mündliche als auch für schriftliche Hinweise nutzen. Wichtig ist, dass das System Sprachnachrichten oder mündliche Antworten auf den Fragenkatalog in Text umwandelt. Moderne Systeme erlauben die Kommunikation in Echtzeit mit dem Hinweisgebenden, sofern dieser und der zuständige Bearbeiter gleichzeitig im System sind. Das gibt Ihnen von Unternehmensseite die Möglichkeit, in einen anonymen Dialog mit dem Whistleblower zu treten und Rückfragen zu stellen.  

Einige Systeme erlauben Ihnen die Erstellung eines zu Ihrem Geschäftsmodell passenden Fragenkatalogs. Damit können Sie die Qualität der Hinweise beeinflussen und dem Whistleblower Sicherheit verleihen. Da man nicht ständig Hinweise erteilt, ist es wichtig, dass das System so einfach und benutzerfreundlich ist, dass es jederzeit ohne Schulung von Mitarbeitern jedes Bildungsniveaus genutzt werden kann.

Den Prozess stets unter Kontrolle halten

Die Bearbeitung von Fällen in einem Whistleblowing-System führt zu mehr Kontrolle und Transparenz in der Bearbeitung – jeder Schritt wird protokolliert. Termine werden eingehalten und nichts kann unter den Tisch fallen oder verschwinden. Das ist die Voraussetzung dafür, dass Sie als Unternehmer oder Geschäftsführer rechtzeitig über Missstände informiert werden und alle relevanten Informationen erhalten, um entsprechende Maßnahmen treffen und erfolgreich gegensteuern zu können.

Bei der Auswahl des Anbieters empfiehlt es sich, darauf zu achten, dass für den Fall von technischen Rückfragen seitens des Unternehmens oder des Whistleblowers der Support auf Deutsch erfolgt und weitere Sprachen angeboten werden.

Je nach Lösung überzeugend günstig

Haben Sie stets die Gesamtkosten im Blick. Am teuersten sind digitale Systeme, die in Ihrer IT-Landschaft implementiert werden. Hier sind nicht nur die monatlichen Gebühren und die Kosten für die Implementierung, sondern auch der Implementierungsaufwand und die Einbindung Ihrer Mitarbeiter zu berücksichtigen. Gebühren für Call-Center- oder Telefon- und E-Mail-Lösungen bei einer Ombudsperson oder dem Anwalt Ihres Vertrauens fallen monatlich pauschal an, auch wenn in diesem Zeitraum kein Fall gemeldet werden sollte. Am günstigsten sind in der Regel Cloud-basierte Whistleblowing-Software-Produkte. Durch sie entstehen keine zusätzlichen direkten oder indirekten Implementierungskosten

Daumenregel „Perspektivwechsel“:

Was bräuchte ich als Mitarbeiter, um das Risiko einzugehen, ein Fehlverhalten oder einen Gesetzesverstoß von Kollegen oder Vorgesetzten zu melden?

Versetzen Sie sich in Ihre Mitarbeiter – nicht pauschal sondern in einzelne, konkrete Personen. Fühlen Sie sich ein in vorsichtige, zurückhaltende, extrovertierte und selbstbewusste Personen, in Menschen mit verschiedenen Bildungsniveaus und anderem kulturellen Hintergrund, und in welche mit sehr unterschiedlichen Führungskräften. Aus den Perspektiven dieser einzelnen Personen betrachtet: Was würde Ihnen helfen, darauf zu vertrauen, dass Ihr Hinweis konstruktiv aufgegriffen und bearbeitet wird? Was bräuchten Sie, um sich eventuell irgendwann zu outen?

Unsere Empfehlung: ein Cloud-basiertes Whistleblowing-System

Gerade bei Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern bietet sich ein kostengünstiges Whistleblowing-System an, bei der sowohl interne als auch externe als vertrauenswürdig wahrgenommene Personen die Hinweise empfangen und bearbeiten. Sollte sich mit der Zeit der Whistleblower zu erkennen geben wollen, sollte die Möglichkeit des direkten vertraulichen Gesprächs mit diesen Personen gegeben sein.

Aufgrund der IT-Infrastruktur und der Anforderungen an die Datensicherheit empfehlen wir eine einfache, benutzerfreundliche Plattform-Lösung mit höchsten Sicherheitsstandards, bei der nur die Systemberechtigten Zugang zu den Hinweisen haben und die richtlinienkonforme Bearbeitung beherrschen. Diese Lösungen sorgen auch dafür, dass Sie alle Fristen einhalten und die Hinweise zur erfolgreichen Behebung von Missständen nutzen können.

LegalTegrity ist eines dieser modernen Whistleblowing-Systeme. Die Daten liegen in der Cloud der Deutschen Telekom in Deutschland und sind durch höchste Sicherheitsstandards vor unberechtigtem Zugriff geschützt. Ohne Implementierungsaufwand erhalten Sie mit der Buchung einen Link mit direktem Zugang zur Plattform. Sie können diesen Link z. B. in Form eines QR-Codes in Ihrem Intranet, an Ihrem schwarzen Brett oder als Teil des Begrüßungspakets für neue Mitarbeiter kommunizieren. Nur die Personen, die Sie als Empfänger für Hinweise im System hinterlegen, können sich in die Systemadministration einloggen und die eingehenden Hinweise lesen, bearbeiten und mit dem Whistleblower kommunizieren.

Laden Sie sich als nächsten Schritt unseren Leitfaden „Wie Sie kooperativ mit Hinweisgebern zusammenarbeiten?“ herunter. Oder kontaktieren Sie einen unserer Experten für ein persönliches Gespräch.  

(Die verwendete männliche Form bezieht sich auf alle Personen, gleich welchen Geschlechts.)

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